Zum Inhalt springen
Ortho4Sport Logo
Termin buchen
Therapie

Blutderivate in der biologischen Orthopädie: PRP, APC und ACS im Überblick

PRP, APC und ACS bei Arthrose und Sehnenreizungen: Wirkprinzip, Studienlage und Ablauf der Behandlung mit standardisierten Blutderivaten bei Ortho4Sport Köln.

Prof. Dr. Oliver Tobolski21. September 2026 7 Min.
Blutderivate in der biologischen Orthopädie: PRP, APC und ACS im Überblick

#Das Wichtigste in Kürze

  • Autologe Blutderivate nutzen Bestandteile des körpereigenen Blutes, um Reizzustände in Gelenken und Sehnen zu beeinflussen.
  • Für die leichte bis mittelschwere Kniearthrose liegt die belastbarste Evidenz vor: Mehrere Übersichtsarbeiten zeigen Vorteile gegenüber Placebo, teils auch gegenüber Hyaluronsäure.
  • PRP, APC und ACS unterscheiden sich in Herstellung und Zusammensetzung — die Auswahl richtet sich nach Gewebeart, Entzündungsgrad und Beschwerdebild.
  • Bei Ortho4Sport steht am Anfang immer die Diagnostik, nicht die Spritze. Ohne funktionelle Abklärung bleibt jede Injektion Stückwerk.
  • Blutderivate werden nach GOÄ abgerechnet. Private Versicherer und Beihilfestellen entscheiden im Einzelfall über die Erstattung.

#Warum Blutderivate die konservative Orthopädie verändern

Ein Läufer mit Reizung der Patellaspitzensehne. Eine Tennisspielerin mit beginnender Kniearthrose. Ein Handballer, dessen Schulter nach jeder Einheit über Stunden nachbrennt. Für diese Patienten galt lange eine ernüchternde Auswahl: Kortison, Schonung — oder irgendwann der Operationstermin.

Zwischen diesen Polen hat sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ein eigenes Feld entwickelt: die biologische Orthopädie. Ihre Idee ist, Regenerationsprozesse, die der Körper ohnehin anstößt, gezielt zu unterstützen — mit Material, das aus dem Patienten selbst stammt.

In der Praxis heißt das: Wir entnehmen eine kleine Menge Blut, trennen die Bestandteile durch Zentrifugation auf und gewinnen daraus ein Konzentrat, das anschließend direkt ins betroffene Gewebe injiziert wird. Kein Fremdmaterial, keine systemische Medikation.

Bei Ortho4Sport arbeiten wir dafür mit dem IMPACT-System unseres Kooperationspartners Plasmaconcept. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger das Verfahren an sich als seine Standardisierung — dazu gleich mehr.

#Was im Blut steckt — und warum das relevant ist

Thrombozyten sind mehr als Blutplättchen für die Gerinnung. In ihren Granula lagern Wachstumsfaktoren, die bei Aktivierung freigesetzt werden und Zellteilung, Gefäßneubildung und Matrixaufbau anstoßen.

Präklinische und klinische Untersuchungen zeigen, dass thrombozytenreiche Konzentrate die Vermehrung von Knorpelzellen fördern und entzündungshemmend wirken können.4 Genau darin liegt die Begründung, warum dieser Ansatz bei früher Arthrose überhaupt untersucht wird: Es geht nicht darum, verlorenen Knorpel zurückzubringen, sondern das entzündliche Milieu im Gelenk zu beeinflussen, das die Beschwerden treibt.

Wir behandeln keine Röntgenbilder. Wir behandeln einen Gelenkzustand, der Beschwerden macht — und da ist die Entzündung oft der eigentliche Hebel.

#PRP, APC und ACS — die Unterschiede

Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, meinen aber verschiedene Präparate:

  • PRP (Platelet Rich Plasma) — das klassische thrombozytenreiche Plasma. Standardpräparat bei früher bis mittelschwerer Gelenkarthrose.
  • APC (Autologous Platelet Concentrate) — höher konzentriert, mit angepasstem Leukozytengehalt. Wir setzen es bevorzugt bei ausgeprägter entzündlicher Komponente ein.
  • ACS (autologes konditioniertes Serum) — hier wird das Blut vor der Aufbereitung inkubiert, sodass sich antientzündliche Botenstoffe anreichern. Typisches Einsatzfeld sind chronische Sehnenreizungen.

Warum diese Differenzierung wichtig ist, zeigt der Blick in die Studienlandschaft: Ein erheblicher Teil der widersprüchlichen Ergebnisse geht darauf zurück, dass unter dem Label „PRP" völlig unterschiedliche Präparate untersucht wurden — mit abweichender Thrombozytenzahl, abweichendem Leukozytenanteil, abweichendem Zentrifugationsprotokoll.

Ein standardisiertes Herstellungssystem löst dieses Problem für die Forschung nicht. Aber es sorgt dafür, dass zwei Patienten in derselben Praxis auch dasselbe Präparat erhalten. Das ist die Mindestvoraussetzung, um Behandlungsverläufe überhaupt sinnvoll vergleichen zu können.

#Was die Studienlage tatsächlich hergibt

#Kniearthrose

Hier ist die Datenlage am dichtesten. Eine systematische Übersichtsarbeit fand für intraartikuläre PRP-Injektionen bei Gonarthrose nach zwölf Monaten signifikant bessere Ergebnisse bei Schmerz und Funktion als bei Placebo- oder Hyaluronsäure-Injektionen.1 Eine spätere Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien bestätigte die Überlegenheit gegenüber Placebo hinsichtlich Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung.3

Bemerkenswert ist ein Befund aus einer vergleichenden Untersuchung gegen Hyaluronsäure: Die deutlichsten Vorteile zeigten sich bei jüngeren Patienten mit geringerem Arthrosegrad.2 Das deckt sich mit unserer klinischen Erfahrung — je weiter der Gelenkverschleiß fortgeschritten ist, desto zurückhaltender sollte man mit Erwartungen sein.

Die S2k-Leitlinie zur Gonarthrose ordnet PRP-Injektionen entsprechend ein: als Behandlungsoption mit heterogener Evidenzlage, deren Empfehlungsstärke durch die uneinheitlichen Herstellungsprotokolle begrenzt bleibt.5 Das ist eine ehrliche Einordnung, und wir kommunizieren sie so auch im Sprechzimmer. Mehr zur Abwägung zwischen konservativem Vorgehen und Operation lesen Sie im Beitrag Wann ist eine OP wirklich notwendig.

#Sehnen und Sehnenansätze

Für Patellaspitzensyndrom, Epicondylopathien und ähnliche Überlastungsschäden ist die Evidenz deutlich uneinheitlicher als am Kniegelenk. Einzelne kontrollierte Studien zeigen Vorteile, größere methodisch hochwertige Untersuchungen fehlen bislang.

Wir setzen Blutderivate an Sehnen deshalb bewusst nachrangig ein — nachdem Belastungssteuerung, exzentrisches Training und gegebenenfalls Stoßwellentherapie ausgeschöpft sind. Was beim Tennisellenbogen wirklich hilft, ist selten eine einzelne Maßnahme.

#So läuft die Behandlung bei uns ab

#1. Diagnostik vor Therapie

Bevor überhaupt Blut entnommen wird, klären wir die Ursache. Dazu gehören die klinische Untersuchung, ggf. die 4D-Bewegungsanalyse und die Ultraschall-Diagnostik — bei knöcherner Fragestellung ergänzt durch die DVT-Diagnostik.

Das ist kein Formalismus. Ein Kniegelenk, das schmerzt, weil die Rumpfstabilität fehlt und das Bein bei jedem Landen nach innen kippt, wird durch eine Injektion allenfalls kurzfristig ruhiger.

#2. Auswahl des Präparats

Auf Basis des Befundes entscheiden wir, welches Set zum Einsatz kommt: PRP bei früher Kniearthrose, APC bei stärker entzündlichen Gelenkbeschwerden, ACS bei chronischen Sehnenreizungen.

#3. Blutentnahme und Aufbereitung

Wir entnehmen eine kleine Menge Eigenblut und zentrifugieren sie direkt vor Ort. Der Vorgang dauert wenige Minuten — Sie bleiben währenddessen in der Praxis.

#4. Injektion

Das Konzentrat wird steril und, wo sinnvoll, ultraschallgesteuert exakt in die Zielstruktur eingebracht: Kniegelenk, Schulter oder Sehnenansatz. Die Nutzung eines Ultraschalls oder eines C-Bogens, entscheidet über die Treffgenauigkeit.

Je nach Indikation empfehlen wir zwei bis drei Behandlungen im Abstand weniger Wochen.

#5. Nachbehandlung

Eine Injektion allein löst keine muskuläre Dysbalance. Deshalb koppeln wir die Therapie an das EMG-Biofeedback-Training und, bei Sportlern, an ein strukturiertes Return-to-Sport-Programm mit definierten Testkriterien. Warum Schonung allein selten die Lösung ist, beschreiben wir im Beitrag Sportpause bei Schmerzen.

Ausführliche Informationen zum Verfahren finden Sie auf unserer Seite zur PRP-Therapie.

#Sicherheit, Grenzen und Kosten

Da ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, sind allergische Reaktionen und Unverträglichkeiten praktisch ausgeschlossen. Wie bei jeder Injektion bestehen die üblichen Risiken: lokale Reizung, kurzzeitige Schmerzzunahme in den ersten Tagen, in seltenen Fällen eine Infektion.

Ebenso klar sind die Grenzen:

  • Kein Knorpelaufbau. Es geht um die Beeinflussung des entzündlichen Milieus, nicht um Regeneration verlorener Gelenkflächen.
  • Nicht bei fortgeschrittener Arthrose. Bei ausgeprägtem Gelenkverschleiß fallen die Effekte in den Studien deutlich geringer aus.
  • Heterogene Studienlage. Unterschiedliche Präparate, unterschiedliche Protokolle, mögliche Publikationsverzerrung. Weitere hochwertige randomisierte Studien sind notwendig.
  • Abrechnung nach GOÄ. Private Kostenträger entscheiden im Einzelfall über die Erstattung — wir stellen Ihnen vorab eine Kostenaufstellung aus.

#Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten

  • Gelenkschmerz, der länger als vier Wochen anhält oder unter Belastung zunimmt
  • Wiederkehrende Schwellung oder Überwärmung eines Gelenks
  • Sehnenschmerz, der trotz Trainingspause und Belastungsanpassung bestehen bleibt
  • Nachlassende Belastbarkeit im Sport ohne erkennbaren Auslöser
  • Nächtlicher Ruheschmerz oder plötzliche Blockade — dann zeitnah

#Fazit

Autologe Blutderivate sind kein Wundermittel und ersetzen keine Ursachenbehandlung. Sie sind ein Baustein — mit ordentlicher Evidenz bei früher bis mittelschwerer Kniearthrose und uneinheitlicherer Datenlage an Sehnen.

Ihr Wert entfaltet sich dort, wo sie eingebettet sind: in eine präzise Diagnostik davor und ein strukturiertes Training danach. Wenn Sie wissen möchten, ob dieser Ansatz für Ihr Beschwerdebild infrage kommt, klären wir das in einem Beratungsgespräch — ergebnisoffen. Termin vereinbaren.

#Häufige Fragen

Wie schnell wirkt die Behandlung? Die meisten Patienten berichten von Veränderungen nach zwei bis sechs Wochen. Ein unmittelbarer Effekt wie bei Kortison tritt nicht ein — das Wirkprinzip ist ein anderes.

Wie viele Sitzungen sind nötig? Je nach Indikation zwei bis drei Behandlungen im Abstand weniger Wochen. Ob eine Serie sinnvoll ist, entscheiden wir nach der Reaktion auf die erste Injektion.

Kann ich danach direkt wieder Sport treiben? Wir empfehlen für 24 Stunden eine deutliche Belastungsreduktion. Der Wiedereinstieg erfolgt schrittweise und wird individuell festgelegt.

Ist das Verfahren dopingrelevant? Intraartikuläre und intratendinöse Anwendung thrombozytenreicher Präparate ist nach aktuellem Stand der WADA und NADA-Regularien nicht verboten. Wettkampfsportler klären den Einzelfall vor der Behandlung mit uns ab.

Übernimmt meine Versicherung die Kosten? Private Versicherer und Beihilfestellen entscheiden individuell über die Erstattung — fragen Sie vorab bei Ihrem Kostenträger an. Wir stellen Ihnen dafür eine Kostenaufstellung nach GOÄ aus.

#Quellen

  1. Meheux CJ, McCulloch PC, Lintner DM, Varner KE, Harris JD: "Efficacy of Intra-articular Platelet-Rich Plasma Injections in Knee Osteoarthritis: A Systematic Review." In: Arthroscopy: The Journal of Arthroscopic and Related Surgery 2016. DOI: 10.1016/j.arthro.2015.08.005
  2. Kon E, Mandelbaum B, Buda R, et al.: "Platelet-Rich Plasma Intra-Articular Injection Versus Hyaluronic Acid Viscosupplementation as Treatments for Cartilage Pathology." In: Arthroscopy: The Journal of Arthroscopic and Related Surgery 2011. DOI: 10.1016/j.arthro.2011.06.002
  3. Vilchez-Cavazos F, Millán-Alanís JM, Blázquez-Saldaña J, et al.: "Comparison of the Clinical Effectiveness of Platelet-Rich Plasma Injections and Placebo in the Treatment of Knee Osteoarthritis: A Systematic Review and Meta-analysis." In: Orthopaedic Journal of Sports Medicine 2019. DOI: 10.1177/2325967119887116
  4. Andia I, Maffulli N: "Platelet-rich plasma for managing pain and inflammation in osteoarthritis." In: Nature Reviews Rheumatology 2013. DOI: 10.1038/nrrheum.2012.199
  5. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): S2k-Leitlinie "Gonarthrose". AWMF-Register-Nr. 033-004, 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-050
Prof. Dr. Oliver Tobolski

Prof. Dr. Oliver Tobolski

Ärztlicher Direktor Ortho4Sport Köln

Zum Profil

Persönliche Beratung gewünscht?

Unsere Artikel ersetzen keinen Arztbesuch. Vereinbaren Sie einen Termin für eine individuelle Beratung.