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Ortho4Sport – Prof. Dr. Oliver Tobolski
Therapie

PRP-Therapie in der Sport­orthopädie: Was sie kann — und was nicht

PRP-Therapie bei Sehnenreizung und Arthrose — Wirkung, Studienlage und geeignete Indikationen. Ehrliche Einschätzung von Ortho4Sport Köln.

Prof. Dr. Oliver Tobolski29. März 2026 9 Min.
PRP-Therapie in der Sport­orthopädie: Was sie kann — und was nicht

#Das Wichtigste in Kürze

  • PRP (Platelet-Rich Plasma) ist eine Eigenbluttherapie, bei der körpereigene Wachstumsfaktoren aus konzentriertem Blutplasma gewonnen und gezielt in geschädigtes Gewebe injiziert werden.
  • Die Studienlage ist differenziert: Bei chronischen Sehnenreizungen zeigen klinische Studien positive Ergebnisse, bei Arthrose ist die Evidenz gemischt.
  • PRP ist eine IGeL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung), die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird.
  • PRP ersetzt keine kausale Therapie — sie kann die Regeneration unterstützen, ist aber kein Ersatz für funktionelles Training und Ursachenbehandlung.
  • Eine ehrliche Aufklärung über Möglichkeiten und Grenzen gehört für uns zur ärztlichen Sorgfaltspflicht.

#Was ist PRP-Therapie?

PRP steht für Platelet-Rich Plasma — plättchenreiches Plasma. Aus einer kleinen Blutentnahme (ca. 15–30 ml) wird durch Zentrifugation ein Konzentrat gewonnen, das eine erhöhte Menge an Thrombozyten (Blutplättchen) enthält. Diese Blutplättchen setzen beim Kontakt mit geschädigtem Gewebe Wachstumsfaktoren frei — unter anderem PDGF, TGF-β und VEGF —, die an der natürlichen Geweberegeneration beteiligt sind.

Das Prinzip klingt überzeugend: Der Körper heilt sich selbst, unterstützt durch eine konzentrierte Form seiner eigenen Reparaturmechanismen. In der Praxis ist die Realität differenzierter — und genau diese Differenzierung ist uns bei Ortho4Sport wichtig.

#So läuft die Behandlung ab

  1. Blutentnahme: Aus der Armvene werden ca. 15–30 ml Blut entnommen
  2. Aufbereitung: Das Blut wird in einer speziellen Zentrifuge aufbereitet (ca. 10 Minuten)
  3. Injektion: Das gewonnene PRP-Konzentrat wird unter Ultraschallkontrolle gezielt in das betroffene Gewebe injiziert
  4. Nachsorge: Schonung für 24–48 Stunden, anschließend schrittweise Belastungssteigerung

Die Behandlung dauert insgesamt etwa 30 Minuten. In der Regel werden 3–5 Sitzungen in wöchentlichem Abstand empfohlen.

#Wo PRP positive Ergebnisse zeigt

Die wissenschaftliche Studienlage zu PRP ist umfangreich — aber nicht einheitlich. Wichtig ist die Differenzierung nach Indikation, denn die Wirksamkeit variiert je nach Gewebe und Erkrankung erheblich.

#Chronische Sehnenreizungen (Tendinopathien)

Bei chronischen Sehnenreizungen zeigt die aktuelle Studienlage die vielversprechendsten Ergebnisse. Eine Metaanalyse von Fitzpatrick et al. (2017) ergab, dass PRP-Injektionen bei chronischen Tendinopathien — insbesondere an der Achillessehne, der Patellasehne und am Ellenbogen (Tennisellenbogen) — zu signifikant besseren Schmerzwerten führten als Placebo-Injektionen.1

In der Sportorthopädie setzen wir PRP bei folgenden Sehnenreizungen ein:

  • Achillessehnenbeschwerden (Achillodynie, chronische Tendinopathie)
  • Patellaspitzensyndrom (Jumper's Knee)
  • Tennisellenbogen (laterale Epicondylitis)
  • Plantarfasziitis (chronischer Fersensporn)

Wichtig: PRP kann die Regeneration bei chronischen Sehnenreizungen unterstützen — aber sie ersetzt nicht die Ursachenbehandlung. Wenn eine muskuläre Dysbalance oder ein Fehlbelastungsmuster die Sehne überlastet, muss dieses Muster korrigiert werden. Deshalb kombinieren wir PRP konsequent mit funktionellem Training und gegebenenfalls einer Bewegungsanalyse, um die mechanische Ursache der Überlastung zu identifizieren.

#Arthrose (Gelenkknorpelverschleiß)

Bei Arthrose — insbesondere im Kniegelenk — ist die Evidenzlage gemischt. Einige klinische Studien zeigen eine Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung über 6–12 Monate im Vergleich zu Hyaluronsäure-Injektionen.2 Andere Studien finden keinen signifikanten Unterschied zu Placebo.

Was PRP bei Arthrose nicht kann: geschädigten Knorpel wiederherstellen. Es gibt keine belastbare Evidenz dafür, dass PRP Knorpel regeneriert oder den Arthroseprozess aufhält. Was sie möglicherweise kann: die entzündliche Komponente der Arthrose modulieren und dadurch Schmerzen vorübergehend reduzieren.

Wir setzen PRP bei Arthrose daher nur unter klaren Bedingungen ein:

  • Konservative Maßnahmen (Training, Gewichtsmanagement, Physiotherapie) wurden bereits ausgeschöpft oder laufen parallel
  • Der Patient versteht, dass es sich um eine symptomatische Behandlung handelt
  • Realistische Erwartungshaltung: Besserung möglich, aber nicht garantiert

#Wo PRP an seine Grenzen stößt

Transparenz gehört für uns zur ärztlichen Pflicht. Deshalb benennen wir klar, wo PRP keine überzeugende Evidenz zeigt:

  • Akute Muskelverletzungen: Die Studienlage zeigt keinen klaren Vorteil gegenüber Standardtherapie
  • Knorpelregeneration: Kein Nachweis, dass PRP geschädigten Gelenkknorpel wiederherstellt
  • Knochenbrüche: Keine ausreichende Evidenz für beschleunigte Frakturheilung
  • Kreuzbandverletzungen: Die Datenlage zur Unterstützung der Kreuzbandregeneration wird derzeit weiter untersucht — ein klarer Nutzen ist bisher nicht belegt (mehr dazu in unserem Ratgeber zum Kreuzbandriss)

#Das Problem mit dem Marketing

PRP wird in vielen Praxen offensiv beworben — teilweise mit Versprechen, die über die Evidenz hinausgehen. Formulierungen wie "Arthrose heilen", "Knorpel aufbauen" oder "natürliche Stammzelltherapie" sind wissenschaftlich nicht haltbar und können unrealistische Erwartungen wecken.

"PRP ist ein sinnvolles Werkzeug in der Sportorthopädie — aber kein Wundermittel. Wir setzen es dort ein, wo die Studienlage es stützt, und kombinieren es immer mit ursächlicher Therapie. Alles andere wäre unseriös." — Prof. Dr. Oliver Tobolski, Ärztlicher Direktor Ortho4Sport Köln

#PRP im Vergleich zu anderen Verfahren

#PRP vs. Stoßwellentherapie

Die Stoßwellentherapie ist bei bestimmten Indikationen eine Alternative oder Ergänzung zur PRP. Bei Kalkschulter und Plantarfasziitis zeigt die Stoßwellentherapie eine gut belegte Wirksamkeit. Bei chronischen Sehnenproblemen ohne Verkalkung können beide Verfahren sinnvoll sein — die Wahl hängt vom individuellen Befund ab. Vertiefende Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zur Stoßwellentherapie.

#PRP vs. Kortison-Injektionen

Kortison wirkt schnell entzündungshemmend, kann aber bei wiederholter Anwendung das Sehnengewebe schwächen. PRP hat einen langsameren Wirkungseintritt, zeigt in Studien aber bei Tendinopathien bessere Langzeitergebnisse als Kortison.3 In der Akutphase kann Kortison kurzfristig sinnvoll sein — für die langfristige Therapie chronischer Sehnenreizungen bevorzugen wir PRP.

#PRP vs. Hyaluronsäure (bei Arthrose)

Hyaluronsäure dient als "Gelenkschmiere" und wird seit Jahrzehnten bei Arthrose eingesetzt. Die Studienlage für beide Verfahren bei Kniearthrose ist vergleichbar — keine der beiden Therapien verlangsamt den Knorpelabbau nachweislich. Einige Studien deuten auf eine etwas längere Wirkdauer von PRP hin, die Evidenz ist aber nicht eindeutig.

#IGeL-Status: Was Sie wissen sollten

PRP-Therapie ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Das bedeutet:

  • Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht
  • Private Krankenversicherungen erstatten PRP häufig, abhängig vom Tarif und der Indikation
  • Kosten variieren je nach Anzahl der Sitzungen und Aufbereitungsverfahren

Der IGeL-Status bedeutet nicht, dass die Therapie unwirksam ist — er bedeutet, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Evidenz als nicht ausreichend für eine Kassenleistung bewertet hat. Bei einigen Indikationen, insbesondere bei chronischen Tendinopathien, ist die Studienlage durchaus positiv.

Wir klären Sie vor jeder Behandlung transparent über Kosten, erwartbaren Nutzen und Alternativen auf — damit Sie eine informierte Entscheidung treffen können.

#Unser Ansatz bei Ortho4Sport

PRP ist für uns nie eine isolierte Therapie. Sie ist ein Baustein innerhalb eines umfassenden Behandlungskonzepts:

  1. Diagnostik: Zunächst klären wir die Ursache Ihrer Beschwerden — klinisch, per Bildgebung und bei Bedarf mit einer 4D-Bewegungsanalyse
  2. Ursachenbehandlung: Muskuläre Dysbalancen, Fehlbelastungen und Bewegungsdefizite werden durch funktionelles Training adressiert
  3. PRP als Ergänzung: Wenn die Indikation stimmt und die Evidenz es stützt, kann PRP die Regeneration unterstützen
  4. Verlaufskontrolle: Wir überprüfen den Therapieerfolg und passen den Plan an

Dieser integrative Ansatz unterscheidet eine evidenzbasierte PRP-Therapie von einer reinen "Spritzentherapie" ohne Gesamtkonzept.

#Fazit

PRP-Therapie hat ihren Platz in der modernen Sportorthopädie — aber einen klar definierten. Bei chronischen Sehnenreizungen zeigen klinische Studien positive Ergebnisse, bei Arthrose ist die Evidenz gemischt. PRP kann die Regeneration unterstützen, ersetzt aber weder funktionelles Training noch die Behandlung der eigentlichen Ursache. Entscheidend ist eine ehrliche Aufklärung: Was kann PRP realistisch leisten — und wo sind die Grenzen? Bei Ortho4Sport bekommen Sie genau diese Einschätzung.

#Häufige Fragen zur PRP-Therapie

#Ist PRP-Therapie schmerzhaft?

Die Blutentnahme entspricht einer normalen Blutabnahme. Die Injektion in das betroffene Gewebe kann kurzzeitig unangenehm sein — vergleichbar mit einer normalen Gelenkspritze. Bei Bedarf setzen wir eine lokale Betäubung ein. In den ersten 24–48 Stunden kann es zu einer vorübergehenden Schmerzzunahme kommen, die als normaler Teil des Heilungsprozesses gilt.

#Wie schnell wirkt PRP?

PRP wirkt nicht sofort. Die Wachstumsfaktoren regen einen biologischen Regenerationsprozess an, der Zeit braucht. Erste Verbesserungen berichten Patienten häufig nach 3–6 Wochen. Die volle Wirkung entfaltet sich über 2–3 Monate nach Abschluss der Behandlungsserie.

#Bezahlt meine Krankenkasse die PRP-Therapie?

PRP ist eine IGeL-Leistung. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen erstatten PRP häufig — abhängig von Tarif und medizinischer Indikation. Wir empfehlen, vor Behandlungsbeginn bei Ihrer Versicherung nachzufragen.

#Kann PRP Arthrose heilen?

Nein. PRP kann bei Arthrose möglicherweise Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion vorübergehend verbessern, aber es gibt keine belastbare Evidenz dafür, dass PRP geschädigten Knorpel regeneriert oder den Arthroseprozess aufhält. PRP ist bei Arthrose eine symptomatische Behandlung — kein Heilmittel.

#Wie unterscheidet sich PRP von Stammzelltherapie?

PRP enthält keine Stammzellen, sondern Wachstumsfaktoren aus Blutplättchen. Die Begriffe werden im Marketing manchmal vermischt, was irreführend ist. Stammzelltherapien befinden sich für die meisten orthopädischen Indikationen noch im Forschungsstadium.

#Medizinisch geprüft

  • Geprüft von: Prof. Dr. Oliver Tobolski
  • Fachgebiet: Ärztlicher Direktor Ortho4Sport Köln
  • Zuletzt aktualisiert: 2026-03-16

#Quellen

  1. Fitzpatrick J, Bulsara MK, Zheng MH: "The Effectiveness of Platelet-Rich Plasma in the Treatment of Tendinopathy." In: The American Journal of Sports Medicine 2017; 45(1):226-233.
  2. Dai WL, Zhou AG, Zhang H, Zhang J: "Efficacy of Platelet-Rich Plasma in the Treatment of Knee Osteoarthritis: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials." In: Arthroscopy 2017; 33(3):659-670.
  3. Coombes BK, Bisset L, Vicenzino B: "Efficacy and safety of corticosteroid injections and other injections for management of tendinopathy: a systematic review of randomised controlled trials." In: The Lancet 2010; 376(9754):1751-1767.
Prof. Dr. Oliver Tobolski

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Ärztlicher Direktor Ortho4Sport Köln

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